{"id":309,"date":"2021-01-26T20:48:54","date_gmt":"2021-01-26T19:48:54","guid":{"rendered":"http:\/\/schreiber-uli.de\/Blog_Inntal\/?p=309"},"modified":"2021-01-26T20:48:57","modified_gmt":"2021-01-26T19:48:57","slug":"die-db-bewertungsmethodik-im-trassenauswahlverfahren-zum-brennernordzulauf-liefert-nur-ungenaue-und-dehnbare-ergebnisse-mit-einer-irrefuehrenden-darstellung-ohne-die-betroffenheit-der-region-zu-wuerdi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schreiber-uli.de\/Blog_Inntal\/die-db-bewertungsmethodik-im-trassenauswahlverfahren-zum-brennernordzulauf-liefert-nur-ungenaue-und-dehnbare-ergebnisse-mit-einer-irrefuehrenden-darstellung-ohne-die-betroffenheit-der-region-zu-wuerdi\/","title":{"rendered":"Die DB Bewertungsmethodik im Trassenauswahlverfahren zum Brennernordzulauf liefert nur ungenaue und dehnbare Ergebnisse mit einer irref\u00fchrenden Darstellung ohne die Betroffenheit der Region zu w\u00fcrdigen."},"content":{"rendered":"\n<p><strong>von   Dr. Hermann Biehler, Mitglied im Gemeindeforum Rosenheim S\u00fcd<\/strong><br><br><strong>Zusammenfassung<\/strong><br>Es ist schwierig, die mit einer zus\u00e4tzlichen Bahntrasse verbundenen Wirkungen auf die Region zu erfassen und untereinander vergleichbar zu machen. Ich akzeptiere die Nutzwertanalyse als eine Grundlage hierf\u00fcr. Der begrenzten Aussagekraft dieser Methode muss man sich jedoch immer bewusst sein.<br>Meine Bedenken und Kritik an der Vorgehensweise bei der Trassenauswahl formuliere ich als Thesen, die behandelt und widerlegt oder best\u00e4tigt werden m\u00fcssen. Die Kritik richtet<br>sich <br><strong>&#8211;  gegen einige Punkte bei der Anwendung der Nutzwertanalyse,<br>&#8211;  gegen die unklare und bisweilen irref\u00fchrende Darstellung einer nicht fachlichen \u00d6ffentlichkeit und Politik gegen\u00fcber<br>&#8211;  und gegen die nachrangige Behandlung der Betroffenheit der Region im Trassenauswahlverfahren.<\/strong><br><br>Das Vorhaben, zwei zus\u00e4tzliche Gleise mit m\u00f6glichen 230 km\/h Befahrbarkeit und zwei Verkn\u00fcpfungsstellen zur bestehenden Bahntrasse in die Region zu legen, kann nicht ohne erhebliche Auswirkungen auf die Region bleiben. Jedes Teilkriterium de Indikatoren-katalogs im Fachbereich \u201eRaum und Umwelt\u201c l\u00e4sst Sch\u00e4den und Nachteile f\u00fcr die Region erwarten, seien es Mensch, Natur, Landschaft oder Wasser, Fl\u00e4chenverbrauch usw.. Als besten Fall kann man einen Erhalt des Status quo erhoffen. Das sollte auch der Referenz-punkt \u201e5\u201c bei der Bewertung der Auswirkungen sein. Jede negative Wirkung m\u00fcsste kleiner als 5 bewertet werden. Die Definition seitens der DB (und ihrer Berater) lautet jedoch: \u201eentspricht vollst\u00e4ndig \/ am besten den Zielen des Kriteriums\u201c.<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 1: Das Ziel hinter jedem Teilkriterium ist nicht der Erhalt (geschweige denn die Verbesserung) des Status quo, sondern \u201edie Minimierung der Beeintr\u00e4chtigung\u201c.<br><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 2: Die schw\u00e4chere Zielformulierung (\u201eMinimierung\u201c) erlaubt es, auch die beste von allen schlechten Wirkungen, also die am wenigsten schlechte Wirkung, mit \u201e5\u201c zu bewerten.<\/strong><br><br>F\u00fcr die Bewertung mit 1 (schlecht) gilt: \u201ewesentliche Ziele des Kriteriums nicht bzw. am schlechtesten erf\u00fcllt; schwerwiegende Nachteile; bei entsprechenden Vorteilen in anderen Themenbereichen akzeptierbar\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>These 3: Wenn f\u00fcr ein Teilkriterium die Ziele nicht erreicht werden k\u00f6nnen, ist das kein Hinderungsgrund<\/strong> <strong>f\u00fcr die Trassenvariante. Durch Vorteile bei anderen Teilkriterien kann das ausgeglichen werden. Wie in These 2 festgestellt bestehen diese Vorteile m\u00f6glicherweise nur darin, dass sie von vielen als schlecht bewerteten Wirkungen die geringsten Nachteile bringen.<\/strong><br><br>Die schriftliche Antwort der Bahn auf die Frage: \u201eWie werden die Zwischenwerte (4 bis 2) ermittelt? Interpoliert?\u201c lautet: \u201eDie Ermittlung der Klassenwerte (1-5) wird im Regelfall ausgehend vom besten bzw. schlechtesten ermittelten Wert erfolgen. Die Zwischenwerte (Klassen 2 &#8211; 4) werden rechnerisch interpoliert.\u201c<br><br><strong>These 4: Die Bewertungen 1 bis 5 sind relativ zueinander. Sie haben keinen fixen Bezugspunkt, etwa den Status quo. Sie sagen damit streng genommen nichts \u00fcber die Betroffenheit der Region aus, sondern nur etwas \u00fcber die Wirkungen einer Trasse im Vergleich zu den Wirkungen anderer Trassen. Die Betroffenheit der Region steht bei der Bewertung nicht im Mittelpunkt und kommt in der Bewertung nicht zum Ausdruck. Denn auch starke Nachteile k\u00f6nnen hohe \u201eNutzwerte\u201c bekommen.<\/strong><br><br>Die Bewertungen der Teilkriterien und ihre Aggregation wird von der DB vorgenommen. Der Arbeitsaufwand und die erforderlichen Detail-Kenntnisse w\u00fcrden die ehrenamtlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gemeindeforen \u00fcberfordern.<br><br><strong>These 5: Die unvermeidlich subjektiven Bewertungen der Teilkriterien m\u00fcssen im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsbeteiligung offengelegt werden. Sie m\u00fcssen einsehbar sein. Das beugt Verd\u00e4chtigungen der Manipulation vor und kann eventuell auch die unter These 4 genannte Problematik entsch\u00e4rfen.<\/strong><br><br>Im Kriterienkatalog stehen die Teilkriterien ohne R\u00fccksicht auf ihre Bedeutung f\u00fcr die Region nebeneinander. Um wichtige von weniger wichtigen Teilkriterien zu unterscheiden, ist eine Gewichtung der Teilkriterien abgefragt worden.<br><br><strong>These 6: Es ist in recht kurzer Zeit nicht m\u00f6glich gewesen, den Teilnehmern des Gemeindeforums Rosenheim S\u00fcd zu vermitteln, welche Bedeutung die Gewichtung der Teilbereiche hat und wie sie die Ergebnisse beeinflusst. Insbesondere d\u00fcrfte es vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht bewusst sein, dass es nicht um die absolute, sondern um die relative Wichtigkeit geht. Das Spektrum von 1-10 wird in vielen F\u00e4llen wohl nicht ausgesch\u00f6pft, weil alle Teilkriterien als wichtig angesehen werden.<br><\/strong><br>Die Teilkriterien werden zu Hauptkriterien aggregiert und daraus wird &#8211; gewichtet oder ungewichtet &#8211; ein Gesamtwert f\u00fcr die Auswirkungen einer Trasse ermittelt. Die DB bezeichnet diesen Gesamtwert als Nutzwert, obwohl er Beeintr\u00e4chtigungen, Sch\u00e4den, Lasten f\u00fcr die Region ausdr\u00fcckt.<br><br><strong>These 7: Der Begriff \u201eNutzwert\u201c ist in der Nutzwertanalyse gebr\u00e4uchlich. Mit ihm soll ausgedr\u00fcckt werden, welchen Nutzen eine Ma\u00dfnahme oder eine Investition hat. Im vorliegenden Fall geht es aber um Beeintr\u00e4chtigungen, Sch\u00e4den und Lasten, die aus einer Investition f\u00fcr die Region Rosenheim folgen. Nun kann man in Fachkreisen trotzdem an dem Begriff \u201eNutzwert\u201c festhalten, weil die Fachleute mit der Methode vertraut sind. In einem Beteiligungsprozess mit breiter \u00d6ffentlichkeit und \u00fcberwiegend fachfremden Teilnehmerinnen und Teilnehmern suggeriert der Begriff \u201eNutzwert\u201c etwas Positives und t\u00e4uscht \u00fcber die negativenWirkungen hinweg. F\u00fcr die Beteiligung der \u00d6ffentlichkeit w\u00e4re ein anderer Begriff zu verwenden, etwa \u201eBelastungswert\u201c.<\/strong><br><br>Ein aktuelles Beispiel mag das verdeutlichen: Der DB-Gesamtprojektleiter Matthias Neumeier wird im OVB mit den Worten zitiert: \u201eSo k\u00f6nnen wir am Ende die insgesamt beste Trasse f\u00fcr die Region finden.\u201c (OVB vom 23.\/24.1.21, S.1) Zu erg\u00e4nzen w\u00e4re, dass diese Trasse trotzdem f\u00fcr die Region noch schlecht ist und Belastungen mit sich bringt.<br>Generell muss man betonen, dass die Nutzwertanalyse nur ungenaue und dehnbare Ergebnisse liefern kann. Schon die Klassifizierung in f\u00fcnf Gruppen l\u00e4sst nur grobe subjektive Bewertungen zu. DieAggregation der Bewertungen verschiedener Teilkriterien potenziert die Ungenauigkeit. Mit denunterschiedlichsten subjektiven Gewichtungen wird das Ergebnis noch ungenauer. Es bleibt in jedem Fall subjektiv. Das ist in der \u00d6ffentlichkeit auch so darzustellen.<br><br><strong>These 8: Mit dem Nutz-\/Belastungswert f\u00fcr jede Trasse wird je eine Zahl ermittelt, die mehr Unterscheidungskraft suggeriert als sie tats\u00e4chlich hat. Mit unterschiedlichen subjektiven Gewichtungen variiert zudem der Nutz-\/Belastungswert. \u00d6ffentlichkeit und Politik sind dar\u00fcber zu informieren, dass die Methode nur bei gro\u00dfen Unterschieden in den Nutz-\/Belastungswerten aussagekr\u00e4ftig ist.<\/strong><br><br><strong>These 9: \u00d6ffentlichkeit und Politik sind davon in Kenntnis zu setzen, dass bei dem Bewer-<br>tungsverfahren nicht im Mittelpunkt steht, wie stark die Region betroffen ist. Es wird lediglich ermittelt, welche Trasse die Region st\u00e4rker betrifft &#8211; egal wie gro\u00df die Betroffenheit tats\u00e4chlich ist.<\/strong><br><br>In der Kostenwirksamkeitsanalyse wird die Gesamtbewertung der Betroffenheits-Kriterien den Kosten und Risiken der jeweiligen Trasse gegen\u00fcbergestellt. Eine Trasse k\u00f6nnte z.B. bei Kosten (samt Risiken) von 1 Mrd. Euro einen Nutzwert\/Belastungswert von 3,5 erreichen, eine andere Trasse bei Kosten von 1,2 Mrd. Euro einen Nutzwert\/Belastungswert von 4,2. In beiden F\u00e4llen w\u00fcrden 10 Mio. Euro f\u00fcr 0,035 Bewertungspunkte stehen. F\u00fcr die Region w\u00e4re die letztere Variante vorzuziehen, f\u00fcr die Geldgeber die erstere.<br><br><strong>These 10: Im Fall gleicher oder \u00e4hnlicher Ergebnisse der Kostenwirksamkeitsanalyse f\u00fcr die einzelnen Trassen ist die Trasse mit dem h\u00f6heren Wert aus der Nutzwertanalyse zu pr\u00e4ferieren.<\/strong><br><br>Die Belastungen der Region gehen in die Nutzen-Kosten-Abw\u00e4gung nicht ein! Und in der Kostenwirksamkeitsanalyse wird nur zwischen st\u00e4rkeren und schw\u00e4cheren Belastungen abgewogen, egal wie hoch die Belastungen tats\u00e4chlich sind.<br><br><strong>These 11: Die Betroffenheit der Region wird im gesamten Entscheidungsprozess nur insoweit ber\u00fccksichtigt, als ihre Nachteile nach M\u00f6glichkeit gering gehalten werden sollen. Undauch das gilt nur, wenn es nicht mit h\u00f6heren Kosten verbunden ist.<br>Zu fordern ist, dass die Belastungen, die auf die Region zukommen, schon in der Nutzen-<br>Kosten-Abw\u00e4gung ber\u00fccksichtigt werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-container-1 wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container\"><\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Dr. Hermann Biehler, Mitglied im Gemeindeforum Rosenheim S\u00fcd ZusammenfassungEs ist schwierig, die mit einer zus\u00e4tzlichen Bahntrasse verbundenen Wirkungen auf die Region zu erfassen und untereinander vergleichbar zu machen. Ich akzeptiere die Nutzwertanalyse als eine Grundlage hierf\u00fcr. 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